Dienstag, 7. März 2017

Jugendämter 2017

Besser als ihr Ruf

Jugendämter genießen deutschlandweit einen eher schlechten Ruf. Landauf landab haben die rund 600 Jugendämter mit nahezu immer gleichlautenden Vorwürfen beziehungsweise Vorurteilen zu kämpfen: sie schreiten zu spät ein und holen Kinder nicht aus den Familien. Sie schreiten zu früh ein und holen die Kinder ungerechtfertigt aus den Familien. Sie schreiten gar nicht ein – und Kinder sterben. Auch die Mitarbeiter des Jugendamtes im Landkreis Goslar kennen derartige Vorwürfe und wissen um die negativen Assoziationen vieler Bürger. Volker Weißbach, Leiter des Fachdienstes Sozialpädagogische Dienste des Landkreises Goslar, geht im Interview auf die größten Herausforderungen der Jugendämter ein, nennt Fallzahlen und erklärt, was aus seiner Sicht helfen könnte, um das Bild von Jugendämtern in der Öffentlichkeit zu verbessern.

Goslar regional, 29. Dezember 2016

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Dieses Interview offenbart eigentlich nur, dass hier wieder eine Katze um den heißen Brei schleicht. Das hat durchaus Jugendamts-Methode. Wie läuft eigentlich so ein Kindesentzug ab? Manchmal wie im Wilden Westen. Das Jugendamt klingelt frühmorgens aufgrund eines Verdachtes und nimmt das Kind mit. Unterstützung kommt von zwei Polizeibeamten. Manchmal werden Kinder auch aus dem Schulunterricht geholt. Jene Schulleiterin, die Jugendamt und Polizei am langen Arm hat verhungern lassen, bis das Kind vor der Behörde in Sicherheit war, ist doch schon Legende. Eltern sind erst einmal völlig wehrlos. Wenn Eltern Glück haben, gibt es sofort eine Anhörung vor Gericht. Dieses Glück haben Eltern aber nicht immer. Wo die Kinder gerade sind, erfahren die meisten Eltern auch erst einmal nicht.
Eltern, die sich wehren wollen, gehen zu einem Anwalt. Der Anwalt verlangt Akteneinsicht. Das dauert. Nach Wochen oder sogar Monaten gibt es eine Verhandlung vor dem Familiengericht. Den Eltern wird erklärt, dass die Kinder bleiben, wo sie derzeit sind, es werde ein Gutachten eingeholt. Das dauert ebenfalls. Wie wir inzwischen wissen, ist die Hälfte der Familiengutachten falsch oder mangelhaft. Trotzdem folgen Gerichte fast immer der Gutachterempfehlung. Ausnahmen gibt es eigentlich nur, wenn das Jugendamt seine Auffassung durchdrückt, falls diese von der Gutachtermeinung abweicht.
Dann wird es noch unglaublicher, fast schon skandalös, ich kenne diese Begründung aus unzähligen Gerichtsbeschlüssen: Das Kind hat angeblich einen neuen Lebensmittelpunkt und soll dort zur Ruhe kommen, bevor Schritte zur Rückkehr des Kindes ins Elternhaus eingeleitet werden. Das Hilfeplangesetz wird schlicht ignoriert. Gehen Eltern gerichtlich dagegen vor, reagieren Jugendämter sauer: “’Sie sind nicht kooperativ.” Kooperativ ist man immer dann, wenn man einem Jugendamt nicht widerspricht. So muss man sich sogar verhalten, wenn man erfährt, dass die Kinder in der neuen Umgebung leiden!
Irgendwann verschanzen sich Jugendämter hinter dem Datenschutz, nehmen Hilfe von Dritten gar nicht an und machen einfach so weiter wie gehabt. Dazu ein Extremfall: Ein Jugendamt begreift, dass in einer niedersächsischen Einrichtung katastrophale Zustände herrschen und holt ein Kind dort heraus. Und dann? Hat dieses Jugendamt andere Jugendämter über seine Erkenntnisse informiert? Keinesfalls. In der Einrichtung ging es weiter schlimm zu. Als ich fast alle niedersächsischen Jugendämter darüber informierte, fiel der Mantel des Schweigens noch tiefer. Bis die Einrichtung eine neue Geschäftsführung bekam, die sogleich den Leiter entließ. Drei Jahre später wurde die Einrichtung geschlossen. Von der Geschäftsführung, nicht auf Initiative eines Jugendamtes.

Jugendämter haben einen schlechten Ruf. Zu Recht! Um die Qualifikation der Gutachter, die sehr zu wünschen übrig lässt, kümmert sich gerade das Bundesjustizministerium.

Heinz-Peter Tjaden, 1. Januar 2017

Jugendamt als Feind

Die Jugendämter könnten auf mehr Partner zurückgreifen mit Einrichtungen, die den Familien Hilfe bieten. Und dennoch bleibe es ein schmaler Grat, auf dem sich die Jugendämter bewegen, wenn das Kindswohl die Messlatte ist. Renate Stöver hat dann durchaus Verständnis, dass das Jugendamt als Feind gesehen wird, der Druck macht: „Oft sind die Beziehungen der Eltern nicht geklärt. Es ist eine Zeit voller Verletzungen, und dann kommt jemand von außen, moderiert und will Vereinbarungen treffen.“

Westfalenpost, 17. Januar 2017

Warum äußert Jugendamt falschen Verdacht?

Die Staatsanwaltschaft Trier hat nach dem Brand im Trierer Jugendamt im Oktober vergangenen Jahres gegen zwei aus Trier stammende Tatverdächtige, einen 25- jährigen Mann und einen 16-jährigen Jugendlichen, Anklage wegen Brandstiftung und Diebstahls erhoben.

Volksfreund Trier, 22. Februar 2017

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Jugendamt

Die Staatsanwaltschaft ermittelt angeblich gegen eine Mitarbeiterin des Jugendamtes in Porta Westfalica. Es geht um den Tod eines kleinen Jungen vor fast zwei Jahren in einer privaten Kita in Veltheim. Das Westfalenblatt schreibt, es werde geprüft, ob Jugendamt und auch Bauamt gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen hätten.

Radio Westfalica, 2. März 2017